BILD: Deutschland Einig Vaterland ...! Nachlese von Marco Tralles, 3. Oktober 2005

Deutschland Einig Vaterland ...!

» Um dem ganzen einen kurzen Abriss zu geben: Urknall, Entstehung des Sonnensystems, Pangea, Hunnen, Hitler, Mauer, Kohl, Schröder, Rollrasen ...

Ok ok, das mit dem Rollrasen muss ich noch mal ausbreiten. Nachdem Deutschland den als zweiter Weltkrieg in die Geschichte eingegangenen Krieg nicht nur angezettelt sondern auch noch verloren hatte, begann das größte soziologische Projekt der Menschen. Ein vereintes Volk, ein starkes Volk, ein Volk das dereinst die Armeen des römischen Imperiums aufhielt, ein Volk das auszog die Welt zu erobern, ein Volk, das unter den Völkern dieser Erde als das, der „Dichter und Denker“ bekannt ist ... Ich schweife ab: die Deutschen wurden nach dem zweiten Weltkrieg als alleinig Schuld abgestempelt um um dieses nie wieder zuzulassen wurde Deutschland von den „Siegermächten“ aufteilt. Die sowjetische Besatzungsmacht musste nun also von den westlichen Mächten separiert werden und also wurde entgegen aller Beteuerungen es nicht zu machen eine Mauer durch dieses Land gezogen.

Wer wen damit ausgesperrt hat, wurde nie wirklich ausdiskutiert. Unbestreitbar ist jedoch, das sich plötzlich das eine Volk durch eine unnatürliche Barriere getrennt sah - das sich eine „Gattung“ in zwei unterschiedlichen Biotopen wieder fand. Die westlich kapitalistisch geprägte und die sozialistisch idealistische Gesellschaft.

Während auf der einen Seite der Mauer die Regulierung des Marktes durch Angebot und Nachfrage gelehrt und zelebriert wurde, hielt man sich auf der anderen Seite an Marks und Engels und schuf ein künstliches marktwirtschaftliches Vakuum - denn Marks konnte den Computer nicht vorhersehen. Marks kannte den Wegfall menschlicher Arbeitskraft nicht.

Ich kann nicht verschweigen das „der Osten“ auch wichtige Entwicklungen für den Computer selbst entwickelt hat. Das LCD-Display wurde bei ROBOTRON entwickelt, der Sputnik wurde nicht mit westlicher Technologie ins All geschleudert und - ich kürze mal etwas ab: „der Osten“ hat einiges auf die Beine gestellt. Auch „der Westen“ hat einiges geschafft - McDonalds, Apple und Bananen - zum Beispiel. Die Listen ließen sich zu beiden Seiten fast beliebig fortsetzen. Worauf will ich hinaus: Aus einem Volk wurden zwei - mit unterschiedlicher kultureller Entwicklung - mit unterschiedlicher Sicht auf die Welt - mit einer unterschiedlichen Erwartung vom Leben.

Das Gras - sagt mann ja - ist immer besser auf der anderen Seite. Ich kenne die Sicht meiner Eltern, meiner Nachbarn und das Verhalten meiner Großmutter die „den Westen” resp. ihre Verwandtschaft einmal besuchen durfte. Sie brachte Kugelschreiber mit, jedenfalls versuchte sie das. Der „Werbeaufdruck” war bei uns jedoch verboten und so sollte sie die Kugelschreiber am Zoll abgeben. Sie nahm sich das Bündel Kugelschreiber, stellte sich neben einen Mülleimer und zerbrach jeden einzelnen - mehrfach - und sagte dann zu den Beamten: »Dann geht rüber und holt euch selber welche.« - warum ich das erzähle: Der Kugelschreiber selbst ist ein Produkt des kalten Krieges - und im Osten wurde die Kugelschreibernachfüllmaschiene erfunden - es gab keine „Ost-Kugelschreiber” aber wir konnten die „West-Kugelschreiber” mit unserer Tinte nachfüllen. Das ist doch großartig.

Im großen und ganzen ähneln die Deutschen den Darwin-Finken. Diese nach ihrem „Entdecker” benannten Finken haben sich offensichtlich durch die Separation ihres Lebensraumes anders entwickelt. Einige haben härtere Schnäbel um Nüsse zu knacken - andere schmalere Schnäbel mit längeren Zungen für die weichen Früchte. Genauso wie bei den Finken ist es wohl bei den „Deutschen” nicht möglich zu sagen, wer sich besser entwickelt hat. Aber, sie haben sich an ihren Lebensraum angepasst.

Und dann geschah das, was bei den Darwin-Finken nie passiert ist - nie passieren wird, und wenn es passieren würde, würden Umweltschützer und Naturbewahrer es zu verhindern suchen. Der geteilte Lebensraum wurde wieder zu einem zusammengefügt. Da waren die Finken mit den weichen Schnäbeln und die mit den harten und weil sie Brocken aus der Mauer brachen (Entweder um sie aus gewissen sentimentalen Gründen zu behalten oder um sie an Leute mit sentimentalen Stimmungen zu verkaufen) wurden sie Mauerspechte genannt. Es gab sogar die Finken, die in „der Partei“ ganz laut gegen den Westen krakehlten und nach dem Fall der Mauer als Wendehälse gegen „den Osten“ wetterten.

Um ein nichtrepräsentatives Fazit der Wende zu ziehen wurde Helmut Kohl nur deshalb nach der Wende von so vielen noch mal zu Kanzler gewählt, weil die anderen Genossen, die unbedingt den Fall der Mauer haben wollten dann auch das bekommen sollten, wofür sie die Werte des Ostens verraten haben ... Doch Kohl brachte keinen Segen - und auch wenn das Grass auf der anderen Seite grüner war, schmeckte es bitter. Bereits nach 5 Jahren ergab eine Umfrage, das sich fast genauso viele Bürger der alten Bundesländer die Mauer wieder wünschten, wie die Bürger der neuen Bundesländer. Die Qualität der Umfrage sollte aber - auch bei ähnlichen neueren Studien - immer mit Argwohn betrachtet werden. Leben doch im „Westen“ auch wesentlich mehr Menschen als im Osten.

Ich selbst könnte hier nicht in der Nacht sitzen, auf der hintergrundbeleuchtete Tastatur meines PowerBooks tippen, wenn es die Wende nicht gegeben hätte. Nun könnte mann den Ausgang des Experimentes auch anders deuten - eher so wie bei Douglas Adams, in dessen Fiktion das Experiment 5 Minuten vor seinem Ende zerstört wurde.

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An dieser Stelle muß ich kurz eine Pause einschieben - zum Kirschbaum und Gorbatschof komme später - denn jetzt mach ich erst einmal Urlaub ... «


Kommentiert von: Chris, 18. Februar 2008

Ein geistiger "Erguß", den die Welt nicht braucht.

Zuviel Freizeit?


Kommentiert von: ~ alter ego ~, 19. Februar 2008

„Zuviel Freizeit?” - eine gute Frage, Chris. Wie viel Freizeit hast Du? Genug hier dein Missfallen zu äußern - zu wenig dies Fundiert oder wenigsten Pointiert zu tun. Sollte es dich trotz dieser niederschmetternden Kritik wieder einmal auf diese Seite verschlagen: schreib doch ein paar Zeilen mehr - beweise, dass Du dich mit den Texten auseinander gesetzt hast und lasse nur das Gefühl aufkommen, dass du auf der Suche nach deutscher, patriotischer Prosa einfach nur enttäuscht bist, dass der Text zu „Deutschland Einig Vaterland …!” inhaltlich nicht Deinen Erwartungen entsprach.

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Bei der Gelegenheit möchte ich aber auch gleich die Frage stellen, ob der Urlaub denn nun schön war oder (was die fehlenden Fortsetzung impliziert) sogar noch andauert?


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