Angel and Vampires
» Stellen Sie sich ein paradiesisches Frühstück mit ungewöhnlich kreativen Geistern dieser Welt vor. Allesamt Querdenker, Andersdenker, Idealisten und Visionäre. Da werden Croissants mit Ideen versüßt, Brötchen mit Visionen belegt und frisch gepresste Gedanken gereicht. Letztlich sollte man nie vergessen, das nichts so stark ist, wie eine Gedanken, dessen Zeit gekommen ist. Gedanken stellen den wahren Reichtum zu allen Zeiten dar. «
Artikel von Marcel Magis, 22. Februar 2001
2001 - unterwegs sein
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Science Fiction ist jetzt! Man hat es gespürt, seit einigen Jahren. Etwas hatte sich verändert. Eigentlich begann es mit dem Jahr 1984, als uns das erste Mal ein utopisches, symbolträchtiges Datum einholte. Und eigentlich hatte sich nichts wesentliches geändert. Der Computer war erfunden, das Fernsehen gewann an Bedeutung, über Helmut "Birne" Kohl machte man sich noch lustig.
Und nun holt uns das zweite magische Datum ein: 2001 - Odyssee im Weltraum, einer der großen Filme des letzten Jahrtausends - Stanley Kubricks Meisterwerk von 1968. Wir schauen in den Himmel, suchen eine Raumstation, die sich im Walzertakt dreht, und erkennen: Ferne, kleine, leuchtende Punkte. Die Raumfahrt als Utopie hat sich überlebt, und auch der Gedanke an Außerirdische verblaßt ein wenig. Eigentlich hatte man ja beim letzten Milleniumswechsel, wenn schon keine Apokalypse durch einen Computerabsturz passiert, mit wenigstens einer klitzekleinen außerirdischen Botschaft gerechnet; aber das All blieb stumm.
Und die Träume der Science Fiction von ewigen Raumfahrten - ab und zu ein Space Shuttle, eine Sonde auf dem Mars, das wars. Auf dem Mars gabs Wasser und damit Leben. Na und? Wenn sich die Säcke da oben nicht mal melden, sind sie uns schnuppe. Engel liegen da schon wesentlich mehr im Trend. Die Reise findet einfach woanders statt, in der Lektüre des DNA-Codes, in den Nanorobotern, Quanten-Teleportation (ja, das altbekannte Beamen wird wohl tatsächlich Wirklichkeit; meint zumindest der Quantenphysiker Anton Zeilinger). Wer braucht da schon "Außerirdische", wir haben ja schon Schwierigkeiten, mit ein paar "Ausländern" klarzukommen.
Die wahren und neuen homerischen Abenteuer sind die des (Cy-)Klonens und der Cyberorganik, die herrlich unbekannte verwandte Wesen schaffen, die uns sexuell und politisch der "neuen Welt" viel näher bringen als irgendwelche grünen Männchen. Zugleich gewinnt die Ethik des Jugendlichen immer mehr an Drive. Es ist paradox: Eine immer älter werdende Gesellschaft wird immer jugendlicher. Oma und Opa sind wieder auf Tretrollern unterwegs, und schwächelnde Organe werden einfach bionisch geupdated. Die Technik hält in unser Biobetriebssystem Einzug, und damit immer neue, verbesserte Updates. "Ich hab mir für meine ear-amplifier die Version 2.5ß gedownloadet: Jetzt kann man die Entfernung der wahrnehmbaren noises stufenlos fokussieren. Leider ist sie noch ziemlich buggi und schmiert gerne ab." "Tja, eben Microsoft." "Was hast Du gesagt? Ich muß kurz resetten".
Und noch etwas hat sich verändert: Die Technik wird "wearable", sie begleitet uns. In Form von PDAs, Handys, MP3-Playern und Subnotebooks. Und wahrscheinlich werden wir schon dieses Jahr erste Geräte haben, die treue Gefährten sind, mit denen wir weltweit jederzeit kommunizieren und uns informieren können. Es wird immer mehr Bilder auf immer weniger Fläche geben. Das, was wir jetzt an sichtbarem Gerät bedienen oder mit uns herumschleppen, ist noch relativ primitiv. Die CD war ein erster Schritt, um das sichtbare Sinnliche auf "raumlose" Bits und Bytes zu reduzieren. Napster und andere Internet-start-ups bieten digitale Waren an, die von jeglicher "Anfaßbarkeit" befreit sind. Sicher, solange der Mensch aus Materie besteht wird er auf Materie zurückgreifen wollen. Nur, wie lange wird der Mensch noch identifizierbare Materie sein? Ist das die Reise, die wir unternommen haben? Eine Reise ins körperlose und in die Bedeutungen von selbsterschaffenen "Betriebssystemen"? Werden wir uns jeden Morgen neu booten, nachts in den suspend-Modus schalten und uns tagsüber mit Arbeitgebern und Freunden synchronisieren?
2001 träumte von einem Computer, HAL (=IBM), mit übermenschlichen Fähigkeiten der Angst vor dem "abschalten" hat und "Hänschen Klein" singt. Letztlich wirkt das so rührend, weil wir ahnen, dass es genau umgekehrt sein wird, dass der Mensch "computerisch" wird. HAL war kein Computer, sondern ein Mensch, der mit Schaltkreisen versehen durch das Abschalten der ihn erweiternden Elektronik wieder zum Menschen-Kind wird. Die "Armen", die sich den cyborgischen Umbau nicht leisten können, werden alternde Körper, eine eingeschränkte Wahrnehmung, lückenhafte Erinnerungen, nur die eigene Stimme im Kopf und schmutzigen Sex haben. Vielleicht gar nicht so schlecht.
Die Odyssee hat begonnen, und bis uns der Farbrausch ereilt, nach dem wir uns wie in den großen Spiegeln am Schluß des Films selbst erstaunt betrachten und kaum zu erkennen vermögen - wird wieder alles viel undramatischer und schleichender sein, als wir es uns je vorstellen könnten. «
Amen!
Als Produkt Designer und PDA-Geek kann ich deine Meinung nur teilen.
Wir sind ständig unterwegs. Auf der Zeitachse (besser: in der Ereignisreihenfolge) streben wir unaufhaltsam vorwärts.
Nichts läßt sich ungeschehen machen, nichts Gedachtes wegdenken.
Man muß nur die Chance ergreifen, diesen stetig anwachsenden metaphysischen Reichtum (das Wissen), der nur zunehmen kann, komprehensiv zu begreifen und sein Handeln und Schaffen danach ausrichten.
(Das ist nicht von mir, das hat Bucky Fuller schon vor dreißig Jahren treffend formuliert.)
Es ist auch der einzige Weg die Menschheit aus der momentanen Misere (Umwelt, soziale Ungerechtigkeit usw.) zu führen. Kurzfristige monetäre Gewinne sorgen aber z.B. dafür, daß richtungsweisende Technologien bewußt zurückgehalten werden und Patente aufgekauft und eingelagert werden.
- Das Schlimme: Diese Praktiken werden sogar von der Regierung unterstützt.
Beispiel: Braunkohle wird subventioniert um angeblich wenige tausend Arbeitsplätze zu erhalten. Die Patente für Photovoltaik liegen bei den großen Energie- und Ölkonzernen und werden lediglich für Werbezwecke eingesetzt, anstatt zig-tausende saubere, anspruchsvolle Arbeitsplätze zu schaffen.
So lange sich an der Katastrophe Geld verdienen läßt, wird sich nichts ändern. - Auch nicht, wenn ich beim Ökobauern kaufe, wenn Millionen nach Ihrem täglichen Schnitzel (meinetwegen auch Currywurst) lechzen.
Das Wissen ist da - das Begreifen nicht.
Der Einzelne kann aber doch etwas bewirken: Er kann Initiative ergreifen, duch sein Handeln und Schaffen verblüffen und aufwecken, zumindest zum Denken anregen.
Die neuen Informationstechnologien, speziell das mobile Internet, das in den nächsten Jahren zum allgegenwärtigen Evernet wachsen wird, könnten einen preiswerten, praktischen Weg bieten, die Menschheit wirklich - nämlich im Geiste Babylons - zu einen.
Vielleicht bietet aber auch die KI die von Fuller geforderten objektiven Problemlösungen, die - unvoreingenommen von finanziellen und politischen Interessen - die Menschheit zum Erfolg führt.
HAL soll´s richten, denn momentan haben wir den Programmfehler, stehen nach wie vor auf Brot und Spiele.
Alex
HAL hat uns nichts voraus. Uns Menschen. Menschen haben einen Wahnsinns-Vorsprung: sie haben Gefühle. HAL fällt leider erst beim Hänschen-Klein auf, dass er sich verrechnet hat. Das nächstemal werden wir es allerdings schlauer anstellen. Die Sache mit der Manipulation und der Technik. Wir werden den Irrtum einfach ausschliesslich. Wenn wir Menschen uns den Göttern (warum denn einer, wenn man viele haben kann?), annähern, schliessen sich die Zweifel von selbst aus. Wenn wir allerdings nicht mehr zweifeln, können wir keine Richtung mehr einschlagen. Weil unsere Wahrnehmung darauf angewiesen ist, Fehler zu machen. Okay. Wir dürfen also Fehler machen. Versuch und Irrtum. Auf ein Neues.
Immer noch besser als: gar nichts machen. Gar nichts falsch-machen.
In diesem Punkt könnte HAL also noch mithalten. Er hat ja was falsch gemacht. Die Emotion allerdings - die ist geheuchelt. Und dafür wird er hinlänglich bestraft. Und - tschüss. Worauf ich hinauswill: Menschen haben einen Antrieb. Keine Diskette, kein sonstwas-Plättchen. Sie haben eine Seele. (Ja, auch Pflanzen haben eine Seele. Tiere natürlich auch). Diese Seele verlangt nach Nahrung.
Und insofern sind wir uns einig: ein prall gefülltes Bankkonto macht uns nicht glücklich. Nichtmal zufrieden. Was wäre, wenn die Bank ausgeraubt wird? Blödsinn. Wenn die Aktienkurse fallen? Kauf keine Aktien. Wenn dem Firmenwagen eine Beule extra hinzustösst?
Pah. Machen wir uns über solche Nichtigkeiten Gedanken? Wofür leben wir denn? Wie wäre das: eine Welt, in der sich jeder selbst genug ist. Und die Gegenwart von anderen als Bereicherung empfunden wird. Die sich gegenseitig die Meinung sagen, ohne sich zu entwerten.
Sie tun das, um sich gegenseitig weiterzubringen. Sie haben Gefühle.
Sie zeigen Gefühle. Sie stellen in Frage. Beschliessen. Verwerfen wieder. Sie lachen. Sie weinen. Sie leben. Sie sind glücklich. WIE WÄRE DAS?
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